Genussbotschafter + Master of Wine

Ja, ich gebe es zu: Ich war ein Opfer der Werbung. In der Beschreibung hieß es „Gänsehaut pur!“, „ein Wein außerhalb normaler Kategorien“, „kompakt und doch unglaublich filigran“, „intelligenter Meditationswein, der die intellektuelle Auseinandersetzung sucht, sie fördert“ und „groß!“

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So hat Master of Wine Frank Roeder über den „Deep Blue“ geschwärmt. (Den ganzen Text und Infos zum Winzer Martin Tesch gibt es hier.) Ich konnte nicht widerstehen und habe den Weißwein aus Spätburgunder-Trauben gekauft  – und habe es nicht bereut.20161113_064812

Zum Essen (gebackener Fisch, Püree und Spinat) hat er wunderbar geschmackt – frisch, aromatisch, lecker. Vielleicht hätte ich ihn solo trinken sollen, um mich mit ihm intellektuell auseinandersetzen zu können. Vielleicht sollte ich mir einfach noch eine Flasche davon besorgen.

 

 

Ebenso gut wie über feine Weine zu schreiben, kann Frank Roeder über sie sprechen. Klar, ist ja auch sein Job, aber eben auch seine Leidenschaft. Ich mag seine ruhige, höfliche Art – niemals arrogant. Das wird auch im Video-Interview deutlich, das ich zusammen mit meinem Kollegen Anton Minayev gemacht habe.

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Frank Roeder ist viel mehr als ein Weinexperte, er ist ein „Genussbotschafter“. Vor Kurzem sprach er die Laudatio für den neuen Guide O., den Restaurantführer für das Saarland und die umliegende Region (Foto). Er sprach vom bewussten Genießen, kulinarischen Erlebnissen, die lange in Erinnung bleiben, und er sagte etwas, worüber ich noch nachdenken muss: „Essen ist die neue Popkultur.

Pizza Sei Stagioni

Eigentlich heißt sie ja „Vier Jahreszeiten“ also „Quattro Stagioni“. Da es im Saarland eine fünfte Jahreszeit (Fastnacht) gibt und mit etwas gutem Willen die Bockbier- ähm Fastenzeit als sechste durchgeht, habe ich eine Pizza Sei Stagioni kreiert (links vorher, rechts nachher).

 

Die Zutaten der klassischen Quattro Stagioni nach Angaben des italienischen Kochbuchklassikers „Der Silberlöffel“: Sardellenfilets und grüne Oliven, Miesmuscheln, Kochschinken und Mozzarella sowie Babyartischocken und schwarze Oliven.

Die Zutaten meiner Sei Stagioni: Bergkäse, Salami und Kräuter, Spinat und Feta, Champignons, Zucchini und Pesto sowie Thunfisch und Zwiebeln.

Fazit: Es allen Essern recht getan, ist eine Kunst, die gelingen kann!

Gesunde Völlerei?

Manchmal gibt es so viele leckere Dinge im Kühlschrank, dass ich mich nicht entscheiden kann. Vor Kurzem war es wieder einmal so weit …

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Ob ich mir ein Lob von Ernährungsexperten verdient habe? Immerhin gab es jede Menge Gemüse (Zucchini, Avocado, Tomaten, Oliven) und Eiweiß (Lachs, Feta, Kräuterquark) sowie Weizenkörner, Nüsse und eine Birne. Doch ich befürchte, dass auch die Menge eine Rolle spielt. Gibt es gesunde Völlerei?

Zumindest habe ich danach auf das Dessert verzichtet – es hat einfach nicht mehr reingepasst!

 

Die weibliche Form des Genius

„Dinge, die jedermanns Geschmack treffen sollen, sind meist geschmacklos“

Dieses Zitat des tschechischen Schriftstellers Pavel Kosorin gilt nicht für Fajitas bei uns zuhause. Denn das Gericht aus der Tex-Mex-Küche ist ideal für ein Abendessen, das jedem schmeckt. Wir mögen zu den Weizentortillas neben der Hähnchen-Paprika-Zwiebel-Soße auch Käse, Salat, frische Zwiebeln, Tomatensalsa, Schmand, frische Tomaten und selbstgemachte Guacamloe. Letztere habe ich immer ganz für mich alleine 😉Fajitas

Das sagt Wikipedia: „Das Gericht stammt ursprünglich aus der texanisch-mexikanischen Grenzregion am Rio Grande und wurde von den Cowboys gegessen. Das Kronfleisch der Rinder gehörte zu den Schlachtresten, die die Viehtreiber an einem Schlachttag kostenlos erhielten.“ In der Originalversion bestehe es  aus gegrilltem und anschließend klein geschnittenem Rindfleisch , das zusammen mit Streifen von grüner Chili auf einer Weizentortilla serviert wird.

Außerdem ist dort zu erfahren, dass eigentlich nur saure Sahne, Guacamole, Salsa, Pico de gallo (gehackte Tomaten, Zwiebeln und Chili-Schoten ), Käse und Tomaten zu den klassischen Beilagen zählen. Salat? Frische Zwiebeln? Fehlanzeige! Doch es geht ja um den Geschmack, über den man bekanntlich streiten kann und über den der engliche Schriftsteller Edward Fitzgerald etwas sehr Schönes (und Treffendes) gesagt hat:

„Geschmack ist die weibliche Form des Genius“

Do it yourself-Nudelsuppe

Gott, was ist Glück! Eine Nudelsuppe, eine Schlafstelle und keine körperlichen Schmerzen – das ist schon viel“, lautet ein leicht angewandeltes Zitat von Theodor Fontane. Er hatte wohl recht: Bei uns zuhause zählt die Nudelsuppe zu den beliebtesten Familienessen. Doch wir drei haben unterschiedliche Vorlieben, was die Art und Menge der Zutaten sowie die Konsistenz betrifft. Deshalb heißt es bei uns in Sachen Nudelsuppe: Do it yourself!

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In diesem Bild haben sich auch 20 Markklößchen versteckt, die offenbar keine guten Schwimmer sind. Dass es sich um eine saarländische Nudelsuppe handelt, erkennt man an der Maggiflasche – zumindest hierbei herrscht Einigkeit bei uns drei.

Die Beherrschung verlieren: Sauerkrautauflauf

Jürgen Tarrach ist ein Genussmensch. Das sieht man dem deutschen Schauspieler auch an. Man könnte ihn knuffig nennen oder stattlich oder imposant. 2013 hat er zusammen mit seinem Freund Klaus Ortner ein Buch geschrieben. In „Richtig fressen“ schreibt er über den „absoluten, harmonischen Genuss“, wenn das Essen schmeckt, und er gibt Anleitungen, um die „Beherrschung zu verlieren“. Beides gelingt bestens mit seinem Rezept für Sauerkrautauflauf. Er habe es bei Dreharbeiten im österreichischen Waldviertel kennengelernt. Als „kleines Wunder“ bezeichnet Tarrach das Gericht, das in seiner „Schlichtheit unvergleichlich und in seiner saftig säuerlichen Vielfalt grandios“ sei.

Er hat recht! Anfangs ist es schwer vorstellbar, dass diese Mischung nach mehr als ein Resteessen schmeckt. Aber ich kann versichern: Es ist himmlisch – vorausgesetzt man mag Sauerkraut.

In den vergangenen 13 Jahren habe ich das Rezept weiterentwickelt. Statt Fleischreste, wie bei Jürgen Tarrach, nehme ich Hackfleisch und Leberwurst.

Was ich noch toll an diesem Rezept finde: Man muss es mit der Menge der Zutaten nicht so genau nehmen. (Dass beim Backen das Gegenteil gilt, werde ich wohl nie lernen). Deshalb folgt keine Zutatenliste, sondern die Anleitung für das „kleine Wunder“.

P1060624  In etwas Butterschmalz angebraten werden: Zwiebeln, Hackfleisch, Tomatenmark (wenig) und Leberwurst (viel). Für Figurbewusste: Das Fett, das sich dabei ansammelt, kann mit einem Stück Küchenrolle aufgesaugt werden. Anschließend mit Salz, Pfeffer, Muskatnuss und – wir sind schließlich im Saarland – Maggi würzen.In eine Auflaufform kommen

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1. Kartoffeln, die gesalzen werden,

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2. die Hackfleisch-Leberwurst-Mischung,

P1060627  3. Sauerkraut und 4. Crème fraîche (doppelt so viel wie auf dem Foto, am besten eine ganze Schicht; Figurbewusste nehmen Crème légère)

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Ich befürchte, hier habe ich bereits bei der Menge des Sauerkrauts die Beherrschung verloren 😉

P1060632  Nach rund 40 Minuten bei 200 Grad (Ober- und Unterhitze), währenddessen sich in der ganzen Wohnung ein verlockender Geruch breitgemacht hat, ist der Auflauf fertig.

P1060634  Zugegeben: Das Foto wird beim World-Foodblog-Photography-Award nicht in die engere Auswahl der Finalisten kommen, aber so – verfeinert mit ein paar kleingeschnittenen Äpfelchen und viel Pfeffer – schmeckt  mir der Sauerkrautauflauf am besten.

Vermutlich ist das ein Gericht, das nach dem zweiten oder dritten Mal aufwärmen noch besser schmeckt – aber das konnte ich bisher noch nicht verifizieren …

Danke Jürgen!