Neulich im … Alexander Kunz Theatre

Im November ist das Alexander Kunz Theatre in seine siebte Saison gestartet. Seit sechs Jahren begleite ich die Dinnershow in Saarbrücken. Ich war bei vielen Pressekonferenzen, durfte an Probeessen teilnehmen, erhielt Einblicke hinter die Kulissen, führte Interviews mit Alexander Kunz und erlebte dabei ein Erfolgsprojekt, das von Jahr zu Jahr wuchs. Dazu trugen neben der Küchenkunst des Sternekochs aus St. Wendel auch seine beeindruckende Frau Anke sowie ein starkes Team bei.

Ich habe so oft über die Dinnershow geschrieben – unvergesslicher Abend, Fest für die Sinne, vierstündiger Kurzurlaub, spektakuläre Show im Spiegelzelt, Erlebnis und Genuss für Groß und Klein …- und doch muss man es erlebt haben, dieses „Gesamtkunstwerk“ aus Kulinarik, Artistik, Licht, Show, Musik und die unvergleichliche Atmosphäre im Spiegelzelt. Nur dann versteht man vermutlich auch, warum der Preis für die Tickets gerechtfertigt ist.

Dass es so viele „Wiederholungstäter“ gibt, liegt auch daran, dass sich Show und Menü jedes Jahr unterscheiden und immer wieder aufs neue beeindrucken.

Staunen, schwelgen, genießen …..

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Seit einiger Zeit setzt Alexander Kunz auf eine Vorspeisenvariation. In diesem Jahr musste ich meine „Crèmesuppe von Hofgut-Karotten und frischem Ingwer
mit angeschlagenem Sauerrahm“ und mein „Tatar vom Freilandrind mit kleinen Kapern, Schalotten und Kartoffelchips“ eintauschen, denn die Herren am Tisch wollten den „Salat von Fenchel und sizilianischen Orangen mit knackigem Staudensellerie und gerösteten Pinienkernen“ nicht haben. Ich hingegen liebe Fenchel. Er hat mir dreifach gut geschmeckt, ebenso der „Kleine Ravioli vom Muskatkürbis auf confiertem Limetten-Kürbis-Ragout mit kaltgepresstem Kernöl“.

Ich staune immer, dass Alexander Kunz im Umgang mit Aromen und Zutaten so viel Mut beweist. Kürbis, Fenchel, Kernöl, Ingwer, Staudensellerie – das mag nicht jeder. Auch hier zeigt sich die Einzigartigkeit dieser Dinnershow.

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Weiter ging es mit  der „Tranche vom norwegischen Ikarimi Lachs auf asiatischem Wok Gemüse mit aufgeschlagenem rotem Thaicurryschaum“. Das war ein Erlebnis! Gourmets wissen, dass Ikarimi für eine besonders zarte Qualität steht, denn der Lachs wird vor dem Schlachten heruntergekühlt. Sein Fleisch behält dadurch seine Farbe und ein sanftes Aroma. Ich glaube, jeder an unserem 6er-Tisch hätte gerne eine zweite Portion bestellt. Die anderem Zutaten hielten sich vornehm zurück und ließen dem Lachs die wohlverdiente Hauptrolle.

Beim Hauptgang wurde es überraschend klassisch – dachte ich zumindest. Gerade zu „bieder“ lasen sich „Sous – Vide gegarte Barbarieentenbrust mit Waldhonig und zweierlei Sesam gelackt an Apfelrotkohl, glaciertem Boskoopapfel, kleinen Schupfnudeln und Johannisbeer–Pfeffer-Sauce“ sowie – für die Vegetarier – „Knuspriger Strudel von sautiertem Gartengemüse mit gesalzener Butter gebacken auf Velouté von Roter Beete und geriebenem Meerrettich mit knackigen Wasabierbsen“.

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Ente mit Rotkohl und Schupfnudeln oder Gemüsestrudel? Ich schwankte wie auch die Dame neben mir und wir beschlossen, zu teilen und zu tauschen. Die Ente war solide, hat alle Erwartungen erfüllt, hat allen, die sie bestellt haben, gemundet – und war auch reichlich.

Von einem Gemüsestrudel hatte ich nicht allzuviel erwartet – und wurde eines Besseren belehrt. Zartknusprig der Teig, würzig und stückig die Fülle (also kein liebloser Mischmasch) und ein wunderbares Sößchen dazu. Wenn die Ente „solide“ war, war der Gemüsestrudel perfekt.

Und dann ist es wieder passiert …. Dann habe ich einen langen, anstrengenden Abend im Alexander Kunz Theatre hinter mir, dann habe ich über drei Stunden lang gestaunt, geschwelgt, genossen, habe viel gelacht, manches Mal den Atem angehalten, mich von romatischen Liedern betören lassen und den Alltag weit, weit hinter mir gelassen. Ich müsste es langsam wissen, so geht es mir eigentlich jedes Jahr. Und was kann man bei „Warmem Kuchen von der Callebaut Plantagenschokolade mit flüssigem Kern, karamellisierter Banane und luftigem Piemonteser Haselnuss-Softeis“ schon falsch machen? Und sind Schokokuchen, Eis und Banane nicht viel zu schlicht für so eine Show?

th_menue2016_04Jedes Jahr bin ich wieder überwältigt, jedes Jahr wieder ein Dessert, das verzaubert! Jeder Bissen ein Stück vom Himmel! Pure Glückseligkeit! Ich könnte noch weiter in die große Kiste der kulinarischen Superlative greifen und wie in jedem Jahr ist spätestens jetzt der Zeitpunkt gekommen, an dem ich mich frage, ob ich es noch ein zweites Mal schaffe, dieses wunderbare Menü zu genießen (und wie in jedem Jahr wird es mir wohl nicht gelingen).

Was bleibt ist die Erinnerung an einen wundervollen Abend sowie die Vorfreude aufs nächste Jahr!

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